Bad Sooden-Allendorf   |   Ev. Kirche St. Crucis

new / technical redesign   |   2018   |   III/63

"The queen at river Werra"

About the organ

 

Eine neue Queen diesseits des Kanals

Wieder einmal ging es darum, ein interessantes Instrument für ein fixes Budget zu erstellen, wieder einmal konnten wir mit unseren Konzepten punkten: die evangelische Kirchengemeinde Bad Sooden-Allendorf, beraten von Michael Dorfschäfer, Orgelsachverständiger der Landeskirche Kurhessen-Waldeck, erteilte uns den Auftrag zum Bau der neuen Orgel in der Kirche St. Crucis.

45 der 63 Register sind einer englischen Walker-Orgel entnommen. Sie stand in der Holy Trinity Church in Cambridge und wurde von uns schon im Oktober 2015 demontiert.

Bälge, Windladen und Pfeifenwerk der Substanz, die in Teilen aus dem Jahr 1852 stammen, werden wiederverwendet und restauriert.

Erneut findet sich ein hoher Neubauanteil in dem Instrument: Trakturen, Spieltisch, Elektrik und etliche Zusatzwindladen werden hinzugefügt. Unter anderem erhält die Orgel von uns eine neue tiefe Oktave für den Open (!) Wood 32′ (Holz) in der auf europäischem Festland äusserst seltenen Haskell-Bauweise, einen neuen eigenständigen Double Open Diapason 16 im Great und ein neues Hochdruckwerk mit Zunge, Streicher und Flöte 8′. Weiterhin erhält die Orgel auch ein neues Gehäuse in einer (erneut) zeitgenössischen Formensprache.

 

1852 – 2019. Die technische Symbiose.

Für die Orgel in St. Crucis haben wir uns entschlossen, die historischen Windladen zu re-mechanifizieren. Wie bereits erwähnt gibt dies dem Organisten ein direktes Spielgefühl. Moderne Carbon-Abstrakten und korrosionsfreie V2A-Achsen in hochpräzisen Polymerkalotten sind nun im Einklang mit den über 100 Jahre alten Windladen. Zur Realisierung der Koppeln und der zahlreichen offset chests (elektro-pneumatische Einzeltonladen) wurde unterstützend eine Elektrik implementiert.
Die Werke des Great und des Choir erhielten zusätzlich noch neue Windladen, die wir nach unserem heutigen Neubaustandard aus feinjährigem Eichenholz gefertigt haben.

Das Pfeifenwerk war zwar über die Jahrzehnte – die letzte Reinigung wurde 1956 ausgeführt – sehr verschmutzt, technisch jedoch noch in einem guten Zustand. Die üblichen Restaurierungsarbeiten wurden ausgeführt: die Pfeifen wurden gründlich gereinigt, Beulen und Dellen wurden ausgeformt, die Messingteile der Zungenpfeifen in Säurebädern von Korrosion befreit, gerissene Holzpfeifen neu verleimt. Das neue Pfeifenwerk orientiert sich in Mensuration und Materialität am englischen Vorbild. Erfahrungswerte sind hierbei sehr wichtig.

Wie die Tontraktur wurde auch die Registertraktur neu konzipiert. Wo früher elektro-pneumatische Apparate mehr oder minder zuverlässig die Schleifen zogen, stehen nun robuste Zugmagnete. Zusätzlich zu dem Setzersystem haben wir uns für so genannte Thumb Pistons entschieden: feste Kombinationen, 8 für jedes Manualwerk, 6 für das Pedal und 6, die auf die ganze Orgel zugreifen. Diese Kombinationen sind obligatorisch für englische Instrumente bis in die heutige Zeit.
Der Spieltisch, die Schnittstelle zwischen Mensch und Instrument, ist direkt am Gehäuse angebaut. Das ermöglicht eine möglichst kurze Verbindung zwischen Taste und Ventil. Der Spieltisch, wie auch die aufwändigen, leicht geschwungenen Registerstaffeln, sind komplett in unserer Werkstatt entstanden.

 

Orgelbau im Heute

Das Gehäuse der Orgel ist als offene Struktur als laterale Wellenfront realisiert, die sich in Breite und Höhe fortsetzt. Die 50 mm starken Lamellen aus Ahorn-Holz geben somit die Prospektpfeifen des Double Open Diapason 16′ (Great) teilweise frei, teilweise tauchen die Pfeifen wieder in die Struktur ein. Es ergibt sich ein spannendes fluktuierendes Bild.

Es ist die Symbiose, das Spannungsfeld zwischen dem Alten und dem Neuen, den restaurierten Teilen und den neu gefertigten Komponenten, der englisch-romantische Sound mit dem neuen Schulte-Akzent, der dieses Instrument weit über die regionalen Grenzen zu einem deutlichen Akzent in der Orgellandschaft macht.

 

Fotos: © FRANK ZERBST-fotografie | Eschwege | www.frank-zerbst.com

Mehr über englische Orgelkonzepte
Specification

 

II Great C-c’‘’‘


16′ Double Open Diapason
16’ Lieblich Bourdon
8’ Open Diapason No 1
8’ Open Diapason No 2
8’ Open Diapason No 3
8’ Lieblich Gedackt
8’ Salicional
4’ Principal
4’ Harmonic Flute
2 2/3′ Twelfth
2’ Fifteenth
1 3/5′ Terz
Mixture III
Fourniture III-IV
Tierce Mixture III
16‘ Trumpet
8’ Trumpet

 

III Swell C-c’‘’‘


16’ Lieblich Bourdon
8’ Open Diapason
8’ Rohrflute
8’ Viole d’Orchestre
8’ Voix celeste
4′ Principal
4’ Flute
2’ Fifteenth
1 1/3′ Fifth
Mixture III
16′ Double Trumpet
8′ Trumpet
8′ Oboe
4′ Clarion

 

I Choir C-c’‘’‘


16’ Double Dulciana
8′ Hohlflute
8’ Viola
8’ Dulciana
4′ Flauto traverso
4′ Dulcet
2 2/3′ Nazard
2′ Piccolo
1 3/5′ Tierce
Dulciana Mixture III
16′ Trumpet
8′ Tromba
8′ Clarinet

 

Pedal


32′ Open Wood
32′ Resultant
16′ Open Diapason
16′ Violon
16’ Bourdon
16′ Echo Bourdon
8′ Octave
8’ Bass Flute
8′ Violoncello
4’ Octave Flute
16’ Trombone
16’ Trumpet
8′ Tromba
4′ Clarine

 

Floating


8′ Royal Trumpet
8′ Clarabella

 

High pressure division 


8′ Tuba
8′ Solo Flute
8′ Orchestral Gamba

en_GBEnglish (UK)