Schädlingsbekämpfung

 

 

"Anobia punctatum", besser unter dem Namen Holzwurm bekannt, ist ein äußerst unangenehmer Zeitgenosse. Er wirkt sich über die Zeit destruktiv auf den Holzbestand aus und ist nur mit größerem Aufwand dauerhaft und wirkungsvoll zu bekämpfen.

Die auszuführenden Maßnahmen müssen von Fall zu Fall entschieden werden. Dabei ist zwischen Bekämpfung und Schutz zu unterscheiden.

Ein lokaler Befall kleinerer Teile ist relativ einfach zu bekämpfen. Wir arbeiten dafür seit vielen Jahren mit einem Schädlingsbekämpfungs-Unternehmen zusammen. Die befallenen Teile werden demontiert und dorthin transportiert. Hier wird das Bauteil über längere Zeit CO², Wärme und erhöhtem athmosphärischem Druck ausgesetzt. Danach sind alle Teile zertifiziert schädlingsfrei.

Da Anobien gerne ihre alten Fraßgänge aufsuchen, werden diese mit Wachs zugekittet. Bei denkmalgeschützten Orgel wenden wir bei stärker befallenen Teilen eine Holzfestigung durch monomere Methacrylsäure-methylester (MMA, z.B. Paraloid B72) an.

Ist der Befall großflächig raten wir unseren Kunden zur Zusammenarbeit mit von uns empfohlenen Fachfirmen zur Schädlingsbekämpfung. Das Instrument wird dann in Zusammenarbeit mit uns vor Ort bearbeitet.

Mit der Bekämpfung hört es jedoch nicht auf! Im Gegenteil muss sorgfältig nachgeprüft werden, ob sich der Wurm auf anderes Inventar ausgebreitet hat (und dort evtl. auch großen Schaden anrichten kann) und somit die Gefahr besteht, dass der Schädling zurückkehrt.

Bekämpft heißt nicht geschützt!

Um zu verhindern, dass die Schädlinge zurückkehren, bietet der Markt viele Mittelchen, die einerseits hochwirksam, andererseits auch für den Menschen völlig unbedenklich seien.

Man muss sich jedoch klar sein, dass ein wirksames Schädlingsbekämpfungsmittel prinzipiell biozid ist und somit ein Einfluss auf den menschlichen Organismus nicht ausgeschlossen werden kann! Zur Erinnerung: Lindan und PCB, beides hochtoxisch,  waren anfangs auch als völlig harmlos eingestuft worden und wurden u.a. zur Entlausung benutzt.

Die oftmals angepriesenen biologischen Holzschutzmittel sollte man ebenfalls differenziert betrachten. Es wird mit dem "Naturstoff der Chrysanthemblüte" geworben, allerdings wird verschwiegen, das diese pyrethroiden Wirkstoffe toxisch und fettlöslich sind und sich somit auch in menschlichen Fettzellen anreichern können.

Einen akzeptablen Kompromiss zwischen Verträglichkeit und Wirkung bieten die momentan im Holzschutz angewandten Praktiken nach der Holzschutz-DIN 68800. Darunter fallen z.B. die Behandlung mit Kaliwasserglas, welches das Holz "verkieselt" und somit verhärtet und die Eiablage des Schädlings deutlich erschwert, oder die Behandlung mit Borsalz. Beide wirken jedoch nur oberflächlich und vorbeugend, nicht bekämpfend.

Letztlich sollte jede Maßnahme gesondert behandelt werden, im Zweifel unter Einbeziehung von Schädlingsbekämpfungsfachfirmen.